Bilanzierung von Bitcoins

Von: Cyril Heer

Die Frage, ob und wie Bitcoins und andere Kryptowährungen bilanziert werden müssen bzw. dürfen, kann praktische Fragen auslösen

Bilanzierung

Bitcoins erfüllen die Aktivierungsvoraussetzung gemäss Art. 959 Abs. 2 OR, da unter anderem ein aktiver Markt besteht, ein wahrscheinlicher Mittelzufluss wahrscheinlich ist (entweder durch die Nutzung als virtuelles Zahlungsmittel oder durch Umtausch in frei konvertierbare Währungen). Zu guter Letzt wird auch das von OR geforderte Kriterium, dass aufgrund vergangener Ereignisse über den erworbenen Vermögenswert verfügt werden kann, erfüllt (bspw. Kauf mit herkömmlichen Geld; dadurch ist Bitcoin im virtuellen „Wallet“ jederzeit verfügbar).

Ausweis in der Bilanz

Basierend auf den allgemein gültigen Definitionen, sind die Bitcoins als gesonderte Position als Wertschriften zu bilanzieren. Je nach Haltedauer sind die Bitcoins als Wertschriften im Umlauf- oder aber im Anlagevermögen in der Bilanz auszuweisen. Unter Umständen kann je nach Geschäftszweck des bilanzierenden Unternehmens auch ein Ausweis unter den Vorräten angemessen sein (Händler). Ein Bilanzierung als Flüssige Mittel, Forderungen ist ausgeschlossen. Zu prüfen ist ein Ausweis als immaterieller Wert unter bestimmten Umständen (bspw. IFRS, Swiss GAAP FER und danach erfolgter Überleitung in die „OR-Welt“), wobei das Schweizer Recht den Ausweis als Wertschriften klar präferiert.

Bewertung

Die Bewertung ist je nach Ausweis (kurz- oder langfristig) unterschiedlich. Grundsätzlich kann die Bewertung zu Anschaffungskosten (abzgl. allfällig notwendiger Wertberichtigungen) erfolgen, oder aber auch zu aktuellen Marktwerten. Für Brokerfirmen ist wie erwähnt eine Bilanzierung in den Vorräten möglich, wobei dann die Bewertung auf zwei Arten erfolgen kann. Anzuwenden sind entweder Anschaffungswerte unter Anwendung bekannter Verbrauchsfolgeverfahren oder der tiefere Marktwert (Einhaltung des Niederstwertprinzips). Die Zweite Bewertungsmöglichkeit unter den Vorräten ist die Anwendung eines beobachtbaren Marktwertes in Analogie zur Bilanzierung unter den Wertschriften.

Fazit

Ein Ausweis als Forderungen oder als Flüssige Mittel ist zu verneinen. Das Schweizer Rechnungslegungsrecht präferiert ein Ausweis als kurz- oder langfristig gehaltene Wertschriften oder als Vorratsposition (bei bestimmten Voraussetzungen). Verneint wird die Frage, ob sich Bitcoin als Buchführungs- oder Rechnungslegungswährung eignet.

Gerne stehen wir Ihnen in Bilanzierungs-, Bewertungs- und Steuerfragen betreffend Bitcoins oder anderen Kryptowährungen gerne zur Verfügung.

Quelle: Q&A zum neuen Rechnungslegungsrecht, Kapitel 7.4