Entwurf Praxisanpassungen MWSTG: Kryptowährung

Von: Philipp Gisler

Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat im Juni 2018 einen ersten Entwurf für die Praxisanpassungen in den MWST-Infos und MWST-Branchen-Infos im Zusammenhang mit Kryptowährungen veröffentlicht

Beim Entwurf ist die Kapitalbeschaffung bei einem Initial Coin Offering (ICO) ein grosses Thema. Bei Diesem Vorgehen beschafft sich ein Unternehmen finanzielle Mittel für ein bestimmtes unternehmerisches Vorhaben. Die geschaffenen Coins/Token unterscheiden sich in technischer, funktionaler und rechtlicher Hinsicht. Die mehrwertsteuerliche Beurteilung eines ICOs hängt daher von der Art der ausgegebenen Token/Coins (Payment Token, Utility Token oder Asset Backed Token) ab.

Für die mehrwertsteuerliche Beurteilung unterscheidet die Steuerverwaltung im Grundsatz zwischen drei Arten von Coins/Token:

Payment Token

Die Verwendung eines Payment Tokens wird der Verwendung von gesetzlichen Zahlungsmitteln gleichgestellt, sofern eine Kryptowährung als vertragliches Zahlungsmittel zwischen den Parteien vereinbart wird und keinem anderen Zweck als der Verwendung als Zahlungsmittel dient. Dieser Sachverhalt stellt einen mehrwertsteuerrechtlich nicht relevanter Austausch von Zahlungsmitteln dar.

Utility Token

Die Übertragung/Vermittlung sowie die Mittelbeschaffung gegen Ausgabe von Coins/Token, welche zum Bezug einer Leistung berechtigen, stellt in der Regel eine Dienstleistung nach Art. 8 Abs. 1 MWSTG dar und ist steuerbar.

Asset Backed Token

Die Übertragung/Vermittlung sowie die Kapitalbeschaffung gegen Ausgabe von Coins/Token, die beispielsweise Anspruch auf Beteiligungen am Gewinn, Umsatz, derivate Rechte oder Ähnliches geben, ist gemäss Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 Bst. e MWSTG von der Steuer ausgenommen

Mining in Kryptowährungen

Beim Mining von Kryptowährungen (Schaffung neuer Einheiten einer Kryptowährung) und dem damit verbundenen Entgelt (sog. Block-Rewards) liegt mangels bestimmten oder bestimmbaren Leistungsempfängern kein Leistungsverhältnis vor. Für die erhaltenen Transaktionsgebühren, welche der Miner vom Versender einer Transaktion erhält, wird mehrwertsteuerrechtlich auf den betreffenden Coin/Token abgestellt.

Rechnungsstellung in Kryptowährung

Der Leistungserbringer hat das Entgelt für stichtagsbezogene Leistungen, die er in Kryptowährung in Rechnung stellt, im Zeitpunkt der Leistungserbringung bzw. Rechnungsstellung zum Tageskurs in eine gesetzliche Währung umzurechnen. Dabei hat die Rechnung das Entgelt für die Leistung und den Mehrwertsteuerbetrag in einer gesetzlichen in- oder ausländischen Währung auszuweisen.