Lukas Wadsack im Tagesanzeiger

Von: Lukas Wadsack

Artikel über die Steuerberatung im Kryptowährungsbereich: "Die Steuersorgen der Kryptomillionäre"

Der folgende Artikel ist am 1. Februar 2018 im Tages-Anzeiger erschienen:

Wie ein Zuger Treuhänder unverhofft ein neues Geschäftsfeld entdeckte.    

Autor: Mario Stäuble   

Die E-Mail aus Rumänien traf am 14. Juli 2016 bei Lukas Wadsack ein: ob er eine Gesellschaft gründen könne. Man wolle im Ausland ein Datencenter aufbauen, das von einer Firma in der Schweiz aus kontrolliert werden sollte. "Da bin ich zum ersten Mal mit Bitcoins in Berührung gekommen", sagt Wadsack, der in Zug als Anwalt und Steuerexperte arbeitet. Er googelte zuerst, dann telefonierte er im Zuger Finanzsektor herum. Wadsack realisierte: Da passiert gerade etwas. Zwei Wochen zuvor hatte die Stadt bekannt gegeben, Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Zug begann, sich als Crypto Valley zu positionieren.

Der Auftrag aus Rumänien löste sich in Luft auf, aber Wadsacks Telefonate reichten aus, dass sein Name in der Kryptoszene die Runde machte. Immer öfter meldete sich bei ihm eine Klientel, von der er nicht einmal gewusst hatte, dass sie existierte. In der Schweiz wohnhafte Männer - kaum Frauen -, die mittels Bitcoin, Ether, Dash oder Ripple viel Geld verdient hatten. Kryptotrader.  

Banker, Handwerker, Rentner   

Diese Neumillionäre hatten ein Problem: Wie deklariert man den Schweizer Steuerbehörden seinen plötzlichen digitalen Reichtum? So wurde Wadsack zum Bitcoin-Steuerberater. "Durch Mundpropaganda hat sich das immer weiter verbreitet", sagt er. Heute spricht er von "Dutzenden" Schweizer Kryptomillionären, die er berate. Darunter Banker, Handwerker, IT-Leute, Pensionäre, 20 bis 70 Jahre alt. Manch einer hat seinen Job aufgegeben, um nur noch mit Kryptowährungen zu handeln.

Steuerlich sei die Sache gar nicht so kompliziert, sagt Wadsack: Wer selbst Rechner betreibt, um damit Bitcoins zu "schürfen", erzielt Einkommen, das er oder sie versteuern muss. Wer mit digitalen Währungen aus seinem Privatvermögen handelt und damit Kursgewinne erzielt, muss keine Steuern bezahlen - Kapitalgewinne auf dem Privatvermögen sind grundsätzlich steuerfrei. Wer aber profimässig zu handeln beginnt, also die Grenze zur Gewerbsmässigkeit überschreitet, muss die Gewinne versteuern. Das ist für Wadsack die grosse Frage: Ab wann ist jemand ein Profi?  

"Ich bin kein Gambler"   

In diesen Tagen verschicken die Steuerämter die Formulare der Steuererklärung 2017. Die Behörden rechnen damit, dass die Kryptowertexplosion letztes Jahr in den Deklarationen ihren Niederschlag findet. Beim Zürcher Steueramt sind Kryptowährungen ein Schulungsschwerpunkt, und das Zuger Amt hat ein Merkblatt herausgegeben. Wie viel Vermögen Kryptoinvestoren angehäuft haben, weiss indes niemand. "Wir rechnen damit, dass wir bis Ende Jahr aufgrund der 2017er-Steuererklärungen einen ersten Eindruck erhalten", sagt Guido Jud, Leiter der Zuger Steuerverwaltung.

Steuerberater Wadsack besitzt selbst keine digitalen Münzen: "Ich bin kein Gambler. Meine Meinung ist, dass es sich um eine Blase handelt." Die Blockchain-Technologie, auf der Kryptowährungen basieren, sei vielversprechend. Aber es könne gut sein, dass Bitcoin eine Wertberichtigung nicht überlebe. Seine Kunden können bei ihm zwar mit Bitcoins zahlen - aber der Treuhänder lässt sie sofort in Franken umwandeln. "Die Zuger Behörden machen es genauso", sagt er.  

Das PDF des Artikels kann hier abgerufen werden.