Wochenaufenthalter

Von: Roger Schärli

Personen, welche an den Arbeitstagen am Arbeitsort übernachten und Ihre arbeitsfreie Zeit regelmässig an einem andern Ort verbringen

Definition

Bei Wochenaufenthalter handelt es sich um Personen, welche an den Arbeitstagen am Arbeitsort übernachten und Ihre arbeitsfreie Zeit (normalerweise am Wochenende) regelmässig an einem andern Ort verbringen. Dies zum Beispiel am Familien- oder Freizeitort.

Vorgehen

Um zu bestimmen, an welchem Ort die Person steuerpflichtig ist, muss nach der Anmeldung als Wochenaufenthalter häufig ein Fragebogen zur Abklärung des steuerrechtlichen Wohnsitzes eingereicht werden. Dabei gilt zu eruieren, an welchem Ort die Absicht des dauernden Verbleibens (Lebensmittelpunkt) liegt. Für die Bestimmung werden Faktoren wie Anzahl Übernachtungen, persönliche Beziehungen zu Wohn- bzw. Arbeitsort, Alter, Wohnverhältnisse, Dauer des Verbleibs am Arbeitsort oder Arbeitsweg berücksichtigt. Am Ort des Lebensmittelpunkts wird eine Person schlussendlich auch besteuert.

Beispiele

Im Falle eines Familienvaters mit schulpflichtigen Kindern, beim welchem die Familie beispielsweise in Graubünden wohnt und der Vater in Zürich arbeitet und dort unter der Woche übernachtet, kann relativ einfach nachgewiesen werden, dass der Lebensmittelpunkt in Graubünden ist. Bei ledigen Personen ohne Kinder ist dieser Nachweis oftmals schwieriger.

Nehmen wir an, dass eine ledige, kinderlose Person unter der Woche in St. Gallen arbeitet und dort ein Zimmer in einer WG gemietet hat. Das Wochenende verbringt die Person oftmals bei den Eltern, welche in Zug wohnen. Sie hat ein Zimmer bei den Eltern, in welchem Sie am Wochenende übernachtet. Steuerlich ist ein Wohnsitz in Zug natürlich attraktiver als jener in St. Gallen. Deshalb möchte die Person als nur Wochenaufenthalter in St. Gallen anerkannt werden, damit die Steuerpflicht im Kanton Zug liegt. Die Bestimmung des Lebensmittelpunktes ist in diesem Beispiel nicht mehr so einfach möglich. Das Steueramt St. Gallen hat das Interesse, dass die Person in St. Gallen besteuert wird. Es gibt jedoch gute Argumente, welche für einen Lebensmittelpunkt in Zug sprechen. Sei dies zum Beispiel, dass Sie den grössten Teil der Freizeit bei Familie und Freunden in Zug verbringt. Kann die Person eine enge Beziehung zum Wochenendort glaubhaft aufzeigen, dann liegt es in diesem Fall am Kanton St. Gallen eine überwiegend persönliche Beziehungen zum Wochenaufenthaltsort nachzuweisen.

Spezialitäten

Bei ledigen Personen gehen die meisten Kantone davon aus, dass nach 5 Jahren der Arbeitsort auch als der Wohnort zu betrachten ist. Falls das Steueramt jemanden als steuerlichen Wochenaufenthalter akzeptiert, kann dieser in der Steuererklärung zusätzlich folgende Abzüge geltend machen:

- Verpflegung: Anstatt dem Maximum von CHF 3'200 für auswärtige Verpflegung kann ein Abzug von CHF 6'400 pro Jahr gemacht werden. Dies jedoch nur, wenn seitens des Arbeitgebers keine Verbilligung (Anteil an die Verpflegungskosten seitens des Arbeitgebers) gemacht wird.

- Zusätzliche zu den Fahrtkosten von Wochenaufenthaltsort zum Arbeitsort können die Kosten für die wöchentliche Heimkehr zum Wohnort geltend gemacht werden.

- Die Mehrkosten für die auswärtige Unterkunft können auch abgezogen werden. Jedoch nur in der Höhe der ortüblichen Ausgaben für ein Zimmer. Mietet der Wochenaufenthalter eine Wohnung sind die Kosten anteilsmässig auf ein Zimmer zu verteilen. Wenn eine 3-Zimmer Wohnung beispielsweise CHF 1'500 Kosten würde, dann könnten monatlich CHF 500 geltend gemacht werden. Als Wochenaufenthalter ist es sinnvoll, die steuerliche Festlegung seines Wohnsitzes rechtzeitig abklären zu lassen. Verschiedene Faktoren können einen Einfluss auf die Bestimmung des Lebensmittelpunktes haben. Gerne beraten wir Sie kompetent bei Fragestellungen rund um die Bestimmung des steuerlichen Wohnsitzes.